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    Wir haben mit Michael Paßon, Redaktionsleiter NRZ Lokalredaktion Moers, über den Kampf und das Unsichtbare gesprochen. Ein Interview über die Arbeit des ehrenamtlichen Vereins ,,Klartext für Kinder“.

    BildMoers, 26.03.2014

    Moers TV: Herr Paßon, Sie sind Gründer und Geschäftsführer des Vereins „Klartext für Kinder“. Der Verein hilft bedürftigen Kindern, Jugendlichen und Familien und dort, wo die Mittel von Organisationen und Ämtern ausgeschöpft sind. Was hat Sie dazu bewogen, einen solchen Verein ins Leben zu rufen?

    Michael Paßon: Es begann mit einer Aktion unserer Lokalredaktion. Wir hatten vor sieben Jahren einen Weihnachtswunschbaum aufgestellt mit dem Ziel, Wünsche bedürftiger Kinder in Erfüllung gehen zu lassen. Die Resonanz war enorm. Ich erinnere mich noch genau daran, dass alle 150 Wunschzettel der Kinder in kürzester Zeit vom Baum gepflückt waren. Die Menschen brachten uns mehr Geschenke als wir zunächst an die Kinder weitergeben konnten. Auch Geldspenden gingen ein. Wir wollten diesen Erfolg weiterführen und haben dann nach Möglichkeiten und Mitstreitern gesucht. Nach zwei Monaten und gemeinsam mit Fachleuten kam es schließlich zur Gründung unseres ehrenamtlichen Vereins.

    Moers TV: Die Hilfe von „Klartext für Kinder“ erfolgt in der Regel nicht über Geldspenden. Auf welche Art und Weise hilft Ihr Verein den Bedürftigen? Können Sie mir ein paar typische Förderbeispiele nennen?

    Michael Paßon: Wir helfen vor allem mit Sachspenden, denn es fehlen oft elementare Dinge. In Moers und Umgebung ist jedes sechste Kind von Armut bedroht. Man sieht es oft nicht, aber es ist so. Manche Kinder müssen sogar auf dem Boden schlafen, wir spenden dann ein Bett. Winterkleidung oder Dinge für den Schulunterricht sind weitere Förderbeispiele. Darüber hinaus begleiten wir die Familien. Unsere „Patenhelfer/innen“ fahren z.B. eine Familie, die kein eigenes Auto hat, zum Einkaufen. Die Hilfestellungen sind von Fall zu Fall verschieden.

    Moers TV: Ihr Verein ist auf Einzelfallhilfe spezialisiert. Wie erfahren Sie, wo Bedarf besteht und eine schnelle Hilfe vonnöten ist?

    Michael Paßon: Zu unseren Kooperationspartner zählen Kindergärten, Schulen, das Jugendamt und Wohlfahrtsverbände. Durch sie erhalten wir Informationen über Bedarfsfälle und können die Fälle bewerten. Dazu muss ein schriftlicher Antrag bei uns eingehen, den ein Kooperationspartner ausfüllt, nicht die Familie selbst. Im Antrag wird genau aufgelistet, was das Kind braucht. Einiger Vertreter unserer Kooperationspartner sitzen bei uns mit im Vorstand, und das kommt uns bei der fachlichen Bewertung der Anträge sehr zugute. Nachdem wir den Antrag genehmigt haben, werden unsere Patenhelfer aktiv und kümmern sich um das Weitere.

    Moers TV: Ihr Credo lautet: „Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut.“ Was können Menschen tun, die nicht wegschauen wollen? Kann man als Privatperson bei Ihnen anrufen und auf einen Bedarfsfall hinweisen?

    Michael Paßon: Das kann man tun und wir stellen dann fest, in welchem Umfeld sich das Kind befindet. Wir gehen Hinweise in dem Rahmen nach, wie uns das möglich ist. Gemeinsam mit Verbänden vor Ort und unseren Kooperationspartnern wird dann eine Lösung gefunden.

    Moers TV: Ihr Verein knüpft nicht nur ein Netz gegen Armut, sondern auch gegen soziale Kälte. Wie können Moerser Bürger und Bürgerinnen über Sachspenden oder Hilfestellungen hinaus in diesem Netz aktiv werden?

    Michael Paßon: Indem sie Kontakt mit uns aufnehmen. Wir freuen uns über jede Unterstützung und schauen dann, wo wir jemanden einsetzen können. Der Kreis unserer Ehrenamtler/innen ist offen, es kommen neue Leute hinzu oder manche hören nach langjährigem Einsatz auf. Dann entstehen Lücken und kann sofort jemand eingesetzt werden. Wir sind ein ehrenamtlicher Verein, der sehr viel tut und dementsprechend viele Ehrenamtler/innen in unterschiedlichsten Funktionen hat und braucht.

    Moers TV: „Klartext für Kinder“ ist für die erste mobile Kindertafel des Landes verantwortlich. Wie funktioniert die Kindertafel?

    Michael Paßon: Das ist ein umgebauter Linienbus, der in einen Brennpunktstadtteil fährt, und wenn der Fahrer die Türen aufmacht, drängt eine lange Schlage hungriger Kinder hinein. Im Bus erhalten die Kinder ein warmes Essen, das von Moerser Gastronomen ehrenamtlich zubereitet wurde. In zwei Stunden kommen ungefähr fünfzig Kinder, und viele von ihnen essen hier zum ersten Mal gesund und frisch Zubereitetes. Unsere Mitglieder teilen nicht nur das Essen aus, sondern sorgen auch für eine angenehme Atmosphäre und einem Hort der Wärme.

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    Moers TV: Damit Menschen mit Geldspenden helfen können, haben Sie ein Spendenkonto eingerichtet. Kann ich als Spender erfahren, wofür mein Geld eingesetzt wurde oder wird?

    Michael Paßon: Aus vereinsrechtlichen Gründen haben wir keine zweckgebundenen Spenden. Unser Verein ist in seinem Tun breit aufgestellt, und die Spenden fließen alle in einen großen Topf. Daher wissen wir nicht und können einem Spender nicht sagen, welcher einzelne Geldeingang wofür eingesetzt wurde. Was wir tun, ist absolut transparent und wird offen gelegt. Durch die Medien, unsere Partner oder Patenhelfer kann ein Spender alles über unsere Vereinsarbeit erfahren. Von 1 EUR gehen 98 Cent direkt in die Hilfe. Das gelingt uns, weil wir dementsprechend strukturiert sind, kaum Verwaltungskosten oder feste Ausgaben haben. Im letzten Rechnungsjahr konnten wir 120.000EUR direkt in die Hilfe umleiten.

    Moers TV: Ihr Verein organisiert, koordiniert und vermittelt auch Veranstaltungen für bedürftige Kinder oder Jugendliche. Welche Veranstaltungen sind das?

    Michael Paßon: Eine wichtige Aufgabe ist, für bedürftige Kinder Feriencamps zu organisieren. In den fachlich angeleiteten Fußball-Camps gibt es tolle Trainings für Jungs und Mädchen. Wir sorgen dafür, dass die Rundum-Betreuung stimmt. Für diesen Herbst planen wir ein ganz neues Projekt. Ähnlich dem bekannten Motto „wer boxt, schlägt nicht“ wollen wir ein Box-Camp veranstalten. Wir sind alle schon sehr gespannt darauf. Neben den sportlichen Aktivitäten gibt es auch ein Angebot an Ausflügen, z.B. in den Zoo. Besuche zu Kulturveranstaltungen stehen ebenfalls auf dem Programm.

    Moers TV: Was für besondere Ziele hat der Verein für das Jahr 2014?

    Michael Paßon: Kinderarmut restlos auszumerzen, wird uns nicht gelingen, aber wir arbeiten jeden Tag mit unseren vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen an dem Ziel, dass unser Kiez ein bisschen besser wird.

    Moers TV: Was war Ihr glücklichstes Erlebnis im Rahmen Ihrer Vereinsarbeit?

    Michael Paßon: Immer dann, wenn ich den Kindern direkt begegne, gibt es viele Momente, die mein Herz berühren. Bei der Kindertafel z.B. ist es toll zu sehen, dass sich die Kinder im Bus wie zu Hause fühlen. Da wird nicht nur gegessen, sondern die Kinder erzählen von ihren Erlebnissen und vertrauen sich uns an. Beeindruckt hat mich auch unser letztes Vereinsessen, zu dem wir fast alle aktiven Ehrenamtler/innen zusammenbekommen hatten. Zu sehen, wie sie da alle zusammenstehen und dass es so viele Menschen sind, die sich jeden Tag um ein Stückchen bessere Welt bemühen – das hat mich schwer beeindruckt.

    Moers TV: Sie konnten vielen Menschen helfen. Haben Sie auch mal Ihre eigenen Grenzen gespürt?

    Michael Paßon: Dass man die eigenen Grenzen schon mal überschreitet, ist vollkommen klar. Wir setzen uns ehrenamtlich ein und Ehrenamt bedeutet Einsatz, freiwilliger Einsatz. Wenn man sieht, wieviel Elend es gibt, ermutigt das einen, weiterzumachen und den Kampf gegen Kinderarmut immer wieder aufzunehmen. Erschöpft davon kann man gar nicht sein.

    Moers.TV bedankt sich Herzlich für dieses tolle Interview!

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    Im Kampf gegen Kinderarmut in Moers kämpft man gegen etwas Allgegenwärtiges, aber oft Unsichtbares

    wurde veröffentlicht am 26. März 2014 in der Rubrik Vereine
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